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10 Jahre deutsche Großformationsrekorde im Ausland.
Es ist wieder soweit: im Oktober 2014 wollen wir einen neuen deutschen Großformationsrekord in Eloy Arizona angehen. Mit diesem Event jährt sich die Geschichte der deutschen Rekordversuche in der Großformation im Ausland zum 10. Mal und aus diesem Anlass möchten wir an den Beginn dieser 10jährigen Geschichte erinnern, wie es überhaupt dazu kam und wie es beinahe gescheitert wäre.

Umm al Quwain – der 1. Versuch.
Im Sommer 2002 kontaktierte uns Rob Colpus aus England, um uns ein spektakuläres, bis dahin nie dagewesenes Event vorzuschlagen: in Umm al Quwain, einem Nachbaremirat Dubais in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), gebe es neben Sonne, Wind und Meer auch einen Sprungplatz, der über eine AN12 mit Heckrampe für über 120 Springer verfüge.
Dort könnten wir einen Großformationswettkampf mit drei nationalen Teams, bestehend aus Briten, Deutschen und Skandinaviern, starten. Ziel: mit den wenigsten Sprüngen eine 120er-Formation bilden. Wir fanden diese Idee großartig, gaben allerdings zu bedenken, dass sich die Krise am Golf zuspitze, mit einem Einmarsch der USA im Irak zu rechnen sein und ein Krieg die Teilnehmer abschrecken könnte. Diese Bedenken fanden bei unseren britischen und skandinavischen Springerfreunden keine Resonanz. So wurde die Planung des Events in Angriff genommen und wir einigten uns darauf, dass der Großformationswettkampf Ende September 2003 in Umm al Quawain stattfinden sollte. Und wie so oft kam alles anders: die USA marschierten in den Irak ein und im März 2003 klingelte unser Telefon. Nun wollten weder die Briten noch die Skandinavier in die Golfregion reisen. Jetzt lag es an uns. Unsere deutsche Mannschaft stand und reiflicher Überlegung entschlossen wir uns, den Plan auch ohne die anderen Nationen durchzuziehen. Die VAE hatten nichts mit dem Krieg zu tun, der Kriegsschauplatz lag dichter an der Türkei als an unserem Sprungplatz in Umm al Quawain und Pete Mardsen, unser Verbindungsmann in die VAE, war zu unser aller Freude bereit, das Ganze mit uns zu organisieren. Und wieder kam alles anders: Nun machte uns nicht der Golfkrieg einen Strich durch die Rechnung, es war damals amtierende Präsident George Bush, der zeitglich zu unserem Event den VAE einen Besuch abstattete und dafür den gesamten Luftraum sperren ließ. Davon erfuhren wir exakt zwei Wochen vor der geplanten Abreise. Wir setzten uns ins nächste Flugzeug und suchten verzweifelt nach alternativen Sprungplätzen in den Nachbarländern. Aber nichts half. Nur 36 Stunden vor der Ankunft der Teilnehmer mussten wir kapitulieren und es folgte einer der härtesten Tage in der Geschichte unserer Rekorde: wir riefen jeden (!) Teilnehmer persönlich an und sagten schweren Herzens alles wieder ab. War das das Ende der Geschichte? Nicht ganz – denn einige Unverdrossene kamen trotzdem und verbrachten eine sonnige Woche mit uns in unserem wunderbaren Hotel, und am Ende der Woche konnten wir immerhin zwei Tage aus der AN12 springen. Und noch viel wichtiger: vor unserer Abreise konnten wir die lokalen Organisatoren und den Scheich des Emirats davon überzeugen, das Event im März 2004 zu wiederholen und uns dabei preislich so entgegen zu kommen, dass wir die zu stornierenden Flüge wieder herausbekamen.



Umm al Quwain  – der 2. Versuch.
Zu unserer großen Freude waren beim zweiten Anlauf im März 2004 über 90% der Teilnehmer wieder dabei. Und sie wurden für ihr Vertrauen belohnt. Wir waren alle im gleichen Hotel untergebracht. Eine traumhafte Anlage, in der jedes Zimmer nur wenige Meter vom 34° warmen Wasser entfernt war. Dazu ein Sprungplatz mit klimatisierter Packhalle und einer leistungsstarken AN12, die uns in nur wenigen Minuten auf 5.000 Meter brachte. Alle  Teilnehmer waren hoch motiviert und konzentriert. Wann immer wir ein Briefing ansetzten – bereits fünf Minuten vorher stand jeder erwartungsvoll im Line-Up. Es lag ein Prickeln in der Luft. Die Sprünge waren atemberaubend und die Exits waren es erst recht. Noch nicht oft hatte es Formationen mit so vielen Springern aus einem Flugzeug gegeben. Wir schafften Exits von unter 8 Sekunden und doch mussten die ersten Floater- und letzten Diver-Reihen alles geben, um überhaupt zur Formation zu gelangen. Und das Prickeln zahlte sich aus. Am Morgen des fünften von insgesamt acht Sprungtagen stand er: der neue deutsche Rekord – eine 121er-Großformation mit allen Teilnehmern – und den feierten wir ab dem frühen Nachmittag gebührlich und ausgelassen im Hotel. Anschließend gönnten wir uns einen freien Tag, um uns danach, am siebten und vorletzten Tag, die Zeit mit ein paar lockeren Sprüngen in kleinen Gruppen zu vertreiben. Aber was für ein Elend. Wir waren nur eins: unglaublich schlecht. Keine der Formationen wurde komplettiert. Die Spannung war weg und niemand schien mehr in der Lage, normal an eine Formation anzufliegen. Aber wir hatten ja noch einen letzten Sprungtag. Und der vorherige Tag hatte uns gezeigt, dass es nur eine Möglichkeit gab: Alles oder Nichts – sprich: ein neuer Rekordversuch. Was dagegen sprach: Doc (Heinlein) war abgereist und Erich (Knust) war verletzt. Um also einen neuen Rekord aufzustellen, mussten drei Slots gefüllt werden. Nur wie, wenn schon alle Teilnehmer gesetzt waren? Nun - wir hatten ja drei Kamera-Männer. Das hieß, wir konnten notfalls auf zwei in dieser Funktion verzichten. Also zogen wir Jojo (Priedemann) eine RW-Kombi an und gaben Wolfgang (Müller) den Auftrag, bei fast kompletter Formation herunter zu fliegen und einen Griff zu nehmen. In Kamerakombi natürlich. Damit waren zwei der drei Slots vergeben. Für den letzten Slot gab es nur noch eine Möglichkeit: die einzige verbleibende und nicht eingesetzte deutsche Springerin in der VAE war Barbara (Hausmann). Sie hatte sich bis dahin um das Manifest und sämtliche Organisation rund um Hotel und sonstige Bedürflichkeiten gekümmert, war lange nicht gesprungen und fühlte sich eigentlich nicht zu Heldentaten berufen. Das half ihr aber nichts. Wir stellten sie auf die Rampe mit dem Auftrag, Steffen (Szmaglinski) und Björn (Gebhardt) hinterherzufliegen, und nahmen den beiden Jungs das Versprechen ab, gut auf sie aufzupassen. Und so kamen Spannung und Konzentration zurück. Mit dem nötigen Prickeln in der Luft gelang uns im ersten Versuch ein weiterer neuer Deutscher Rekord: eine 122er-Großformation mit allen Teilnehmern und zwei Kamera-Männern und Barbara, die mit diesem Ereignis beschloss, dies sei ein würdiger Abschluss ihrer Springerkarriere. Mit zwei unglaublichen Rekorden und unvergesslichen Eindrücken im Gepäck flogen wir nach Hause. Dies war die Initialzündung für weitere Auslandsreisen in Sachen Rekord und Großformationen. Nur die Bereitschaft, solche Rekordversuche an exotischen Orten zu planen, war nicht mehr da und zu diesem Zeitpunkt entschieden wir uns für den besten und seriösesten Sprungplatz in Sachen Großformation: Eloy (Arizona), USA.

Eloy 2014 oder – eine Rechnung ist noch offen.
Der Sprungplatz in Eloy bedeutet vor allem gutes Wetter, dazu eine Wüste mit ausreichend Landegebiet, ein riesiger Flugzeugpark und eine Infrastruktur, die nichts zu wünschen offen lässt. Voraussetzungen die in Deutschland einfach nicht zu finden sind. Nur das mit dem guten Wetter hat nicht immer funktioniert! Faszinierend waren die Formationsflüge. Bei den Rekorden wurde aus bis zu 11 Flugzeugen gesprungen. Wer die Flotte als Floater oder bei den Überflügen gesehen hat wird bei der Erinnerung immer noch eine Gänsehaut bekommen! In Eloy konnten wir weitere deutsche Großformationsrekorde realisieren: eine 156er-Formation im Jahr 2006 und eine 200er-Formation im Jahr 2008. Während der 156er noch locker am fünften Sprungtag von der Hand ging, saßen wir 2008 zwei Tage im Regen und arbeiteten hart daran, den Rekord am letzten Tag noch auf die Beine zu stellen. Dann das Wetter-Desaster im Jahr 2012. Fast drei Tage Regen zu Beginn unseres Vorhabens. Das geplante Aufbautraining mit den neuen Diamantenformationen musste ausfallen und es blieb uns nichts anderes übrig, als zügig in die Rekordversuche einzusteigen. Und so erfolgsverwöhnt wir auch waren: dieses Mal sollte es uns nicht gelingen und ein offizieller Rekord blieb uns um Haaresbreite verwehrt. Wenn wir mit unserer 231er-Formation auch die weltweit größte Formation der letzten 7 Jahre gebildet haben (die gleichzeitig eine nationale Weltbestleistung darstellt) so bleibt doch eine Rechnung mit der Wüste offen. Das Geheimnis dieser außergewöhnlichen Leistungen hat verschiedene Gründe. Es konnte nur gelingen, weil die Organisatoren von Dädalus aus Eisenach von der gesamten deutschen Springergemeinschaft unterstützt wurden und grundsätzlich eine Bereitschaft da ist, Zeit und Geld zu investieren um bei solch einem  Familientreffen dabei zu sein. Die Sprungzentren aus Kassel, Fehrbellin, Saulgau, Schweighofen und Saar-Louis standen hinter den Vorhaben und so konnte sich diese Masse an geeigneten Springern finden. Umgesetzt wurde es letztendlich von den Teamcaptains, die die Auswahl vorgenommen haben und im Vorfeld und vor Ort einen grossartigen Job gemacht haben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bereitschaft der Leistungsträger an solchen Events teilzunehmen. Viele Springer aus den A und B Kadern haben trotz ihrer großen Belastung durch Training und Wettbewerbe immer noch Zeit und Geld gefunden um dabei zu sein. Darum an dieser Stelle noch einmal Dank an alle Beteiligten für ihr Engagement!

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